Kurz vor meiner neuen beruflichen Herausforderung habe ich mir noch einmal eine kleine Auszeit genommen. Meine Reise führte mich nach Berchtesgaden. Genauer gesagt fuhr ich für ein Wochenende ins InterContinental Berchtesgaden Resort auf dem Obersalzberg. Ich war schon sehr gespannt, da das Hotel angeblich zu den besten der Welt gehören soll.
Nach knapp dreistündiger Anreise erfolgte zuerst eine nette Begrüßung durch den Concierge, der sich auch gleich um mein Gepäck kümmerte, mit mir eine Tour durchs Haus machte und mich dann auf mein Zimmer brachte, bevor er mein Auto in die beheizte Tiefgarage fuhr. Der Ausblick vom Zimmer war sehr schön, obwohl das Wetter nicht so recht mitspielte. Zu sehen gab es ein tolles Bergpanorama. Koffer fix ausgepackt, frisch gemacht in der gläsernen und geräumigen Dusche mit Regenbrause und dann runter an die Reception. Essen fassen! Leider waren alle drei Restaurants schon voll. Im Gegensatz zu meinem Magen. Ich schloss daraus, dass entweder weniger Sitzplätze als Hotelgäste in den Restaurants vorhanden sind oder viele auswärtige Besucher hier zum Essen kommen. Wie auch immer. Ein Plan B musste her.
Also ab nach Berchtesgaden in den “Goldenen Bär”. Den hatte uns der Concierge wegen der guten bürgerlichen Küche wärmstens empfohlen. Im Erdgeschoss waren auch alle Plätze belegt. Also ging ich in den ersten Stock. Dort war noch einige Plätze frei. Zwiebelrostbraten vom Bio-Ring und ein süffiges Radler sollte es sein. Ich hatte wirklich großen Hunger und Durst. Auf dem großen Flatscreen lief das Spiel FC Bayern gegen HSV. Es gibt für einen Mann schlimmere Dinge im Urlaub als ein Fußball-Live-Übertragung. Zumal die beiden bayerischen Fußballfans an der Theke von Minute zu Minute geselliger wurden. Ein Bierchen nach dem anderen flutsche den Rachen hinab, zwischendurch kippten sie einen “kurzen” und auch die fesche Bedienung aus Polen hatte es den beiden Männern mittleren Alters sehr angetan. Ich hatte also beste Unterhaltung. Die war auch bitter nötig, da sich irgendwann alle Leute um mich herum die Mägen vollschlugen. Wo blieb eigenlich mein Essen? Konnte das freilaufende Rind auf der saftig grünen Weide nicht rechtzeitig eingefangen werden? Dauerte die gesunde Zubereitung des besonderen Stück Fleischs einfach nur seine Zeit? Nein! Mein Essen wurde einfach falsch boniert und ist auf einem der Tische neben mir gelandet. Die Bedienung versprach mir eine rasche Zubereitung und gab mir einen “Willi” aus. Gut, dass ich keinen Schnaps trinke. Der zweite Bestellversuch war dann erfolgreich. Das Essen war lecker. Ich zahlte und besuchte noch das stille Örtchen, das typisch bayerisch ein klassisches Herzchen an der Türe hatte. Es färbte sich nach dem Verriegeln rot ein. Natürlich begegnete mir dort noch mein “Freund” aus dem FCB-Lager, der sich zielsicher vor meiner Türe positioniert hatte. Ich hätte ihm die Tür fast in den Rücken gerammt. Bei dem Alkoholspiegel stand er leicht unsicher auf seinen Beinen. Das hätte ein schlimmes Ende für ihn haben können. Dessen war er sich wohl auch bewusst. “ds türle fei s nächste mal net so zügig ufreissa, sonst fall i no uma”. Ich tat so, als würde ich ihn nicht verstehen, um einer unnötigen Konversation aus dem Wege zu gehen. Er gab nicht auf, sondern versuchte in gebrochenem Englisch erneut ein Gespräch anzufangen. Ich zucke nur kurz mit den Schultern und ging hinaus. Hauptsache er hatte seinen Spaß. Zurück im Hotel. Ich fiel ins Bett und schlief zügig ein. Natürlich nach dem gründlichen Zähneputzen versteht sich.
Schon wieder Hunger! Es ist schon Morgen. Also ab ans Buffet. Der Kellner sucht mir einen Tisch. Super, es ist gerade einer der besten Plätze direkt am Fenster frei geworden. “Wir decken ihnen diesen ein. Gehen sie doch solange ans Buffet. Sie müssen nicht unnötig hier warten”, so seine Worte. Sehr fürsorglich. Die Essensauswahl war groß. Ich lud mir einen Teller auf und ging zurück an den zugewiesenen Tisch. Leider hatte ein Pärchen diesen Platz zwischenzeitlich auch bemerkt und sich ohne zu fragen dort breit gemacht. Ging ja schon gut los. Der Service am Eingang des Restaurant klappt ja prima. Ich machte den Kellner sofort darauf aufmerksam. Dieser “eroberte” mir aber meinen Platz nicht zurück, sondern teilte mir einen Platz mitten im Spieseraum zu. Welch ein Ersatz! Dann ging auch noch die Butter am Buffet aus. Das kann ja mal passieren, oder? Nein! Im “5 Sterne plus”-Hotel definitiv nicht. Keine Angst. Ich wurde aber dennoch satt. Auch die Butter fand sich wenige Minuten später wieder am vorgesehen Platz ein.
Am Samstagnachmittag stand eine Shopping-Tour in Salzburg auf dem Programm. Die Stadt hat mir bei meinem ersten Besuch im Herbst nach der MINI Challenge so gut gefallen, so dass ich unbedingt noch einmal hin wollte. Ein “Schnäppchen” habe ich dann auch noch gemacht. Ich kaufte mir eine Jacke und ein paar Schuhe.
Zurück im Hotel. Ich hatte mir vorsorglich schon am Morgen einen Platz im Restaurant 360 Gard reserviert, da ich keinen Bock auf das Wiedersehen mit dem weniger hübschen FCB-Fan von gestern hatte. Warum das Restaurant diesen Namen trägt ist mir allerdings bis dato schleierhaft, da es nur Fenster in eine Richtung gab. Die Portionen waren äußerst übersichtlich und wenig spektakulär. Hätte ich doch ins das Sterne-Restaurant gehen sollen? Wer weiß? Anderseits kamen die Essen ja ohnehin aus der gleichen Küche. Gut, dass ich keine ganze Woche dort verbrachte. Es gab nur fünf Hauptgerichte auf der Wochenkarte. Ich hätte sonst mehrmals die Woche das gleiche Gericht essen müssen. Gut, dass ich mir bei den gesalzenen Zimmerpreisen über dieses Problem keine Gesanken machen muss. “Gesalzen passt übrigens besser zu Obersalzberg als 360 Grad zu dem Restarant mit Süd-West-Blick
Den Abend verbrachte ich mit einem leckeren Touchdown und scharfen Wasabi-Nüssen vor dem lodernden Kamin, der mitten im Foyer des Hotels stand. Das hatte schon was urgemütliches. Jetzt aber ab ins Bett. Morgen muss ich fit sein. Die Matrazen waren übrigens klasse. Genauso wie die beiden Mädels, die jeden Tag zum Bettauschlagen kamen und ein Sweety dabei hatten
Am zweiten Morgen wieder ab ins Restaurant mit dem “falschen” Namen. Die Schlacht am Buffet stand wieder auf dem Programm. Diesmal klappte es mit dem Platz auf Anhieb. Einige Tische weiter saß auch noch ein Augsburger. Wie hätte es auch anders sein können. Egal wo ich hinkomme. Ich kenne immer jemanden. In der Türkei stand auch schon mal Bruce Darnell neben mir am Buffet! Dieses Mal war sogar die Butterdose voll, aber dafür das Teewasser alle. Ich stärkte mich kurz und verbrachte den letzten Tag im luxuriösen SPA-Bereich. Ein paar Bahnen geschwommen, den Bademantel übergeworfen und rein mit der Badehose in die Wäscheschleuder. Schwupp war die wieder trocken. Danach etwas auf der DEDON-Liege, die ein Vermögen gekostet hat, gepennt. Frisch ausgeruht rein in die Kräutersauna zum Schwitzen und danach gründlich abduschen.
Dann stand auch schon wieder die Rückreise an. Navi meldet drei Staus alleine bis München. Deshalb fuhr ich von Salzburg bis München nur auf Landstraßen. Gut, dass ich ein zuverlässiges Navi mit an Bord hatte, sonst wäre ich komplett verloren gewesen. Wobei ich denoch manchmal das komische Gefühl hatte, dass sich selbst das Navi nicht mehr auskennt. Vor allem zu dem Zeitpunkt als der Mittelstreifen auf der Landstraße verschwand, die Straße immer schmäler wurde und ein Weiler dem anderen folgte. Aber ich bin dann doch noch unversehrt in Augsburg angekommen.
PS: Ach ja. Jetzt hätte ich es fast vergessen. Vielleicht hat das Restaurant 360 Grad seinen Namen deshalb bekommen, weil die Kellner sich immer um ihre eigene Achse drehten, um nach einem freien Tisch zu suchen
PPS: Den Bewertungsbogen habe ich auch extrem akribisch ausgefüllt. Ich stehe auch Fragen wie “Hat Ihnen unser Personal Ihre Wünsche von den Augen abgelesen?”. Die hätten lieber mal die Basics korrekt erledigen sollen, wie Teewasser nachfüllen, Tische zuverlässig zuweisen oder für den pünktlichen Butternachschub sorgen.
PPS: Ein positiver Aspekt zum Schluss: Die Minibar war kostenlos, es gab täglich frisches Obst auf dem Zimmer und jeden Tag ein süsses Sweety. Der SPA-Bereich war herrlich. Fazit: Also Kritik auf hohem Niveau ![]()
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